BVKJ-Ehrenpreisträgerin 2017: Kinderbuchautorin Kirsten Boie

 

 

Der Vorstand der Bundesvereinigung für Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter (BVKJ) hat einstimmig und mit großem Enthusiasmus entschieden, Kinderbuchautorin Kirsten Boie den Ehrenpreis der BVKJ für Ihre herausragenden Arbeiten als Kinderbuchautorin zu verleihen. In Ihren wunderbaren Bücher greift sie wichtige Themen der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen in altersadäquater und ansprechender Weise auf und gibt so den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, Themen wie Angst, Geschwisterrivalität oder Adoption  - um nur einige zu nennen - zu verarbeiten. Ihre Bücher haben Eingang in viele verhaltenstherapeutische Praxen gefunden und haben dort einen festen Platz in der psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Die Preisverleihung fand im Rahmen des 2. BVKJ-Kongresses am 28. April 2017 in Berlin statt. Im Folgenden finden Sie Auszüge der Laudatio von Prof. Dr. Nina Heinrichs:

 

„Liebe Frau Boie, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Warum verleiht die Bundesvereinigung Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter einer Kinderbuchautorin einen Preis? Die Antwort ist ganz einfach: Weil Sie ihn verdient haben! Wir können Ihre Geschichten mit Kindern in unseren psychotherapeutischen Sitzungen gemeinsam anschauen, lesen, vorlesen und auch ihre Inhalte gemeinsam mit den Kindern malen. Wir können Kindern und uns damit eine gemeinsame Sprache geben. Wir nutzen also Ihre Bücher als Medium in der Kinderpsychotherapie, zur Vermittlung von Botschaften, ihr Einsatz erlaubt dem Kind - und auch uns - eine Distanzierung von dem unmittelbaren (Er-) Leben des Kindes und öffnet uns so gleichzeitig eine Pforte, um das (Er-) Leben des Kindes von einem geschützten Standpunkt aus zu betrachten. 

Wir sind nun wahrlich nicht die ersten, die Ihnen einen Preis verleihen. Sie haben schon - für Ihren Bereich auch vermutlich weitaus bedeutsamere  - Preise erhalten als den unseren, z.B. den Deutschen Jugendliteraturpreis (vor 10 Jahren; in 2007), den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. (vor 9 Jahren, in 2008) und sie haben sogar vor ca. 6 Jahren das Verdienstkreuz 1. Klasse durch den Bundespräsidenten (in 2011) erhalten. Und dennoch hat dieser Preis vielleicht etwas Besonderes, ...er kommt von denen, die mit jenen arbeiten, denen die Welt und das Leben nicht so günstig mitgespielt hat und die Ihre Arbeit als nützlich erleben, um die Welt (manchmal auch wieder) erträglicher zu machen.

"Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“. Das ist der Titel eines Ihrer Bücher. Und Sie schreiben dazu in Ihrem Nachwort: "Ich könnte noch viel mehr Geschichten erzählen, und all diese Geschichten sind wahr. (...) Wenn die Geschichten traurig sind, kann ich es darum nicht ändern. Trauriger als die Wirklichkeit sind sie nicht." Wie wahr! Und schließlich eines meiner Favoriten, das „Mich kann man von zwei Seiten lesen“-Buch. ... Was für ein wunderbares Mittel, um kognitive Verhaltenstherapie zu verdeutlichen! Das Buch, was man von beiden Seiten lesen kann, heißt übrigens "Klar, das Mama Anna lieber hat" von der einen Seite. Oder von der anderen Seite: "Klar, das Mama Ole lieber hat“. Ole ist noch nicht ganz 4 Jahre und Anna ist schon fast sieben Jahre alt. Und da kann man sich schon einmal gehörig auf den Nerv gehen. Das Thema: Geschwisterrivalität. Das Leben ist wahrlich nicht gerecht und so ist es gut, dass es auch in Ihren Büchern nicht immer gerecht zugeht. Zum Buch: Ein mittelschönes Leben – ein Kinderbuch über Obdachlosigkeit“: (…) Fazit: Obdachlose sind Menschen! Sie haben denselben respektvollen Umgang verdienen, wie alle anderen auch. Und da merkt man: ihre Kinderbücher sind auch was für Erwachsene! Denn die könnten von so manchem Fazit wie diesem auch noch etwas lernen!   

Liebe Frau Boie, Ihre Geschichten sprechen schwierige Themen an, mit einer für Erwachsene manchmal schwer erträglichen Leichtigkeit und mit einer für Kinder oft leicht erträglichen Schwere.  Was für eine wunderbare Fähigkeit Sie da haben, die Sie so nutzen, dass sie auch für unseren Berufsstand von großem Wert ist. Ich freue mich daher ganz außerordentlich, Ihnen im Namen des Vorstands den Ehrenpreis der Bundesvereinigung Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter überreichen zu dürfen!“