BVKJ-Ehrenpreisträger 2015: Prof. Dr. Günter Esser



Für seine besonderen Verdienste um die Entwicklung der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Forschung, Ausbildung und Praxis wurde der Gründungsvorsitzende der BVKJ, Prof. Dr. Günter Esser (Universität Potsdam) mit dem erst zum zweiten Mal verliehenen BVKJ-Ehrenpreis ausgezeichnet. In der vom ersten Ehrenpreisträger Prof. Dr. Fritz Mattejat (Universität Marburg) gehaltenen Laudatio wurde die besondere Bedeutung von Günter Esser für die außerordentlich positive Entwicklung der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in den letzten 20 Jahren deutlich. Dabei ging der Laudator sowohl auf die Außensicht (Was ist nach außen hin objektiv sichtbar und wirksam geworden?) als auch die Innensicht  (Wie ist das Wirken im alltäglichen persönlichen Kontakt?) des zu Ehrenden ein.

 

 Verleihung des BVKJ-Ehrenpreises an Prof. Dr. Günter Esser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(von links: Günter Esser, Ingrid Hösch, Fritz Mattejat )


Die Außensicht
Exemplarisch ging Fritz Mattejat auf drei Bereiche ein, die das Wirken von Günter Esser charakterisieren. 1. Die Arbeit als Wissenschaftler und Forscher. Mit seiner Mannheimer Arbeitsgruppe hat er die Kurpfalzerhebung und die Mannheimer Risikokinderstudie über viele Jahre durchgeführt, die in Deutschland einzigartigen Studien zur Epidemiologie und Entwicklungspsychopathologie, in denen im langfristigen Verlauf Erkenntnisse gewonnen wurden, die mit einer sehr großen Zahl von Publikationen über Jahrzehnte hinweg unser heutiges Wissen über gesunde und psychopathologische Entwicklungen begründen. Daneben stehen  noch viele andere wissenschaftliche Tätigkeitsbereiche, von denen beispielhaft die Arbeiten zur Entwicklungs- und Leistungsdiagnostik bei Kleinkindern, Vorschul- und  Grundschulkindern genannt werden sollen. 2. Die konkrete Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Gesundheitspolitik und Gesundheitsversorgung. Was hilft uns die Wissenschaft, wenn sie nicht praktisch wirksam wird? Auch hier nur ein Beispiel: Günter Esser trägt seit vielen Jahren als Mitglied und als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie nach § 11 des Psychotherapeutengesetzes wesentlich dazu bei, dass eine wissenschaftlich fundierte  Psychotherapie in Deutschland anerkannt wird und in der praktischen Versorgung realisiert werden kann. 3. Die Lehre und Ausbildung. Im Jahr 1995, also vor 20 Jahren hat Günter Esser die Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Potsdam angetreten. Unter seiner Leitung hat die Abteilung Klinische Psychologie/Psychotherapie ein prägnantes Profil gewonnen, Potsdam ist zu einem Mittelpunkt der Kinder- und Jugendlichenpsychologie und Psychotherapie in Deutschland geworden. Das maßgebende Standardlehrbuch in unserem Bereich stammt aus Potsdam.   Das von Günter Esser im Jahr 2002 herausgegebene Lehrbuch „Klinische Psychologie und Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen“ ist gerade in diesen Tagen in seiner 5. vollständig überarbeiteten und neu gestalteten Auflage erschienen. Seit 1998 ist Günter Esser als Direktor der Akademie für Psychotherapie und Interventionsforschung an der Universität Potsdam (API) tätig und er leitet zudem die Psychologisch-Psychotherapeutische Ambulanz (PPA). Hier finden die Lehre, die Ausbildung und die konkrete praktische Versorgung von Kindern und Jugendlichen zusammen und sie verbinden sich mit der Forschung in von Günter Esser mitbegründeten Doktorandenkollegs.

Die Innensicht
Im Folgenden ging der Laudator auf den zu Ehrenden als Person, als Vorgesetzten, Kollegen und Therapeuten ein. Basierend auf den Ergebnissen einer vom Laudator durchgeführten Befragung, versucht er folgende Fragen zu beantworten. Wie sieht es von innen aus, für diejenigen, die mit Günter Esser eng zusammen gearbeitet haben? Wie lässt er sich als Chef, als Lehrer und als Therapeut charakterisieren?  1. Der Chef schwebt nicht drüber sondern er ist mitten drin und vornedran. Er ist nie weg, sondern ist da, er ist vorhanden und verfügbar und er kennt sich in der alltäglichen und normalen Arbeit aus. Er ist also nicht nur Häuptling, sondern immer auch Indianer geblieben. Das ist überraschend für einen, der eine so große Wirkung nach außen erzielt hat und noch wichtiger: Es ist sehr ungewöhnlich für einen Lehrstuhlinhaber und Akademiedirektor. 2. Er ist ein Multitasker, ein „Supertasker“ vom einfachen Kopfrechnen bis zur Durchführung von drei Terminen gleichzeitig. Dies ist verbunden mit einer Chaostoleranz, die große Bewunderung abnötigt, aber die Stresstoleranz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trainiert. 3. Als Vorgesetzter ist er alles andere als langweilig, und als Lehrer anspruchsvoll, faszinierend und sehr unterhaltsam. 4. Und schließlich immer wieder: Der Witz und der Humor (meist nüchtern und trocken - außer bei Festen), die Großzügigkeit, die Loyalität, die Herzlichkeit. 5. Am meisten beeindruckt zeigte sich der Laudator von der bedingungslosen Zuneigung des zu Ehrenden zu den Kindern, besonders zu denen, die es nicht leicht haben, die Schwierigkeiten haben, zum Beispiel in der Schule.  

Der Ehrenpreis wurde von Fritz Mattejat gemeinsam mit dem BVKJ-Vorstandsmitglied Dr. Ingrid Hösch verliehen. Es handelte sich um eine Bronzeskulptur, die einen impulsiven Jungen darstellt, den es kaum auf dem Sitz hält, der am liebsten aufspringen möchte und der sicher sehr leicht in Schwierigkeiten gerät. Die Skulptur stammt von Anna Skrabal, einer Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und renommierten Künstlerin aus Klagenfurt, die Gefühle, Symptome und Situationen in Skulpturen darstellt. Die Skulptur „Der Impulsive“ soll den Dank und die Bewunderung für Günter Essers große Leistungen und für die Art und Weise wie er diese geschafft hat, anschaulich machen.